Weihnachtsbräuche weltweit

Großweikersdorfer Weihnachtsmarkt

Weihnachten und die Vorweihnachtszeit sind weltweit verbreitet. Wir haben in den letzten Jahren viele Informationen über das weihnachtliche Brauchtum in und um Österreich zusammengesammelt. Diese können über den Hashtag „Brauchtum“ gefunden werden. Es ist schön zu sehen, wo überall Weihnachten gefeiert wird.

Weihnachtsbräuche weltweit – Polen

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Das Weihnachtsfest beginnt in Polen nach altem Brauch mit Fasten. Es gibt am Heiligen Abend erst etwas zu essen, wenn die Nacht hereinbricht. Erst dann wird die Festtagstafel eröffnet. Dazu sind Freunde und Verwandte eingeladen. Und es wird immer ein Gedeck mehr aufgelegt, als Gäste zu erwarten sind – denn es könnte ja überraschend noch ein weitere rGast hinzukommen. Auf ihn will man vorbereitet sein, so daß er sich willkommen fühlen kann.

Das traditionelle Weihnachtsessen in Polen ist, wie in Tschechien, der Karpfen. In neuerer Zeit werden aber auch andere Fischsorten aufgetischt. Nach dem Essen werden die Geschenke ausgepackt.

Weihnachtsbräuche international – Deutschland

Menschen drängen sich am Donnerstagabend (23.11.2006) auf dem Römerberg in Frankfurt nach der Eröffnung des Weihnachtsmarktes. Wegen seiner erwarteten Besucherzahl von rund drei Millionen Menschen und der Größe zählt er nach Angaben der Stadt zu den bedeutendsten Weihnachtsmärkten Deutschlands. Foto: Frank Rumpenhorst dpa/lhe +++(c) dpa - Bildfunk+++

In Deutschland steht der Tannenbaum im Mittelpunkt des Weihnachtsfestes. Er heißt in katholischen Gegenden Christbaum, in anderen Regionen Weihnachtsbaum. Unter ihn werden traditionell die Geschenke gelegt. Noch immer sind die meisten Weißtannen, Nordmanntannen, Fichten oder Kiefern mit Wachskerzen geschmückt. Aber elektrische Kerzen sind stark auf dem Vormarsch.

Von Haus zu Haus gibt es unterschiedliche Gepflogenheiten, den Baum zu schmücken. Das traditionelle Lametta, Engelshaar und die von Großmutter geerbten Glaskugeln sind auf dem Rückzug. Jüngere Familien putzen ihren Baum oft schon in einem gerade üblichen Design heraus. Dabei spielen Schleifchen, farblich abgestimmte Kerzen und Schmuck in bestimmten Farben eine Rolle.

Äpfel, Wachskerzen, Strohsterne und Holzfiguren sind eine altdeutsche Art des Baumschmucks, die in der Zeit der Jugendbewegung vor und nach dem ersten Weltkrieg wieder populär wurde und auch heute noch verbreitet ist.

In der Vorweihnachtszeit werden Adventskalender aufgehängt, mit denen den Kindern die Wartezeit auf die Bescherung verkürzt werden soll (siehe Österreich). Der Adventskranz aus geflochtenem Tannengrün mit den vier Kerzen für die vier Adventssonntage hängt von der Decke oder steht auf einem geschmückten Tisch. An jedem Sonntag wird eine weitere Kerze angezündet.

In Süddeutschland spielen die Weihnachtskrippen eine besondere Rolle. Sie sind oft selbst in mühevoller Arbeit kunstvoll geschnitzt und zusammengestellt.O ft werden sie schon seit Generationen vererbt. Meist stehen sie unter oder neben dem Weihnachtsbaum.

Das traditionelle Weihnachtsessen ist Umfragen zufolge kaum zu verdrängen. Noch immer essen die meisten Deutschen am Weihnachtsabend Würstchen mit Kartoffelsalat. Am ersten Feiertag gibt es die obligatorische Weihnachtsgans, gefüllt mit Äpfeln und Pflaumen.

Weihnachten ist in Deutschland das Fest der Familie und der Kinder. Es ist der Deutschen liebstes Fest. Selbst in den umkämpften Ruinen von Stalingrad wurden am Heiligen Abend 1942 Feldpostpäckchen von zu Hause verteilt, da und dort Kerzen angezündet.

Am 6. Dezember kommt in Süddeutschland der Nikolaus, oft mit dem Knecht Ruprecht, der hier „Krampus“ genannt wird. In Franken heißt er „Pelzmärtel“, abgeleitet von St. Martin und in Norddeutschland heißt der Nikolaus meistens Weihnachtsmann. Egal wie die Gestalten auch heißen, sie legen den Kindern und Erwachsenen kleine Gaben in die bereitgestellten Schuhe und Stiefel.

Der 24. Dezember oder „Heilige Abend“ ist der Tag der großen Geschenke. In vielen Familien werden gemeinsam Weihnachtslieder gesungen und auf Instrumenten begleitet. Danach ist im allgemeinen „Bescherung“. Dazu werden die Kerzen auf dem Weihnachtsbaum angezündet.

Weihnachtsbräuche international – Sri Lanka

47Weihnachten in Asien steckt voller Überraschungen. Zwar gibt es beispielsweise nur acht Prozent Christen auf der Insel Sri Lanka im Indischen Ozean, aber das Weihnachtsfest wird auch hier gefeiert. In den Kirchen steht meistens eine Zypresse als Weihnachtsbaum, die im Gebirge der Insel gewachsen ist. Sie wird geschmückt wie anderswo die Tannenbäume.

Das Festessen findet im Freien statt. Die Tische sind mit Decken aus kunstvoll geflochtenen Palmblättern belegt. Auf ihnen wird das Mahl angerichtet: Tontöpfe, gefüllt mit Curryreis, Schüsseln mit verschiedenen Gemüsen und große Pfannen, aus denen der Geruch nach gewürztem Fleisch aufsteigt. Nach dem Essen wird gesungen und getanzt und anschließend entzündet man ein Freudenfeuer.

Am nächsten Morgen nach dem Erwachen laufen die Kinder nach draußen. In den Bambusbäumen hängen kleine Geschenke für sie. Das Fest endet mit einem Feuerwerk der Gemeinde, zu dem alle Bewohner sich einfinden.

Weihnachtsbräuche international – Irland

c204_l_belfast_bg_1280x768Weihnachten in Irland kündigt sich dadurch an, daß großer Hausputz gemacht wird und über den Eingangstüren Mistelzweige aufgehängt werden. Die Mistel ist eine Schmarotzerpflanze, die auf anderen Laubbäumen wie Pappe, Birke, Weide oder Linde wächst und hoch oben in den Kronen auffällige „Nester“ bildet. Seit altersher werden ihr magische Kräfte nachgesagt. Ihre Zweige mit den weißen Beerenfrüchten, die um die Weihnachtszeit reifen, sollen böse Geister von den Häusern fernhalten und Glück bringen.

Auf der Festtafel der Iren dürfen Plumpudding und Räucherlachs, Truthahn und Krabben nicht fehlen. Die Geschenke bringt Father Christmas. Er füllt damit am 24. Dezember die Socken, die für diesen Zweck am Kamin aufgehängt werden. Das Auspacken findet erst am 25. Dezember statt.

Weihnachtsbräuche weltweit – Tschechien

5252125549_2a801a6fe8_bIn der Tschechischen Republik wird erst gegessen, dann kommen die Geschenke an die Reihe. Das Weihnachtsessen ist hier traditionell der Karpfen. Dazu wird Kartoffelsalat gereicht.

Nach einem alten Brauch stellen die Kinder am Heiligen Abend eine Schüssel mit Wasser in die Stube und lassen darin Nußschalen schwimmen. In ihnen werden winzige Kerzen entzündet. Durch behutsames Pusten versuchen nun die Kinder, ihre Schiffchen fortzubewegen. Wessen Nußschale am längsten mit brennender Flamme schwimmt, soll das höchste Alter erreichen.

Weihnachsbräuche weltweit – Japan

christmas-japan_2406289kIn Japan gehören weniger als zwei Prozent der Einwohner dem christlichen Glauben an. Weihnachten ist auch kein nationaler Feiertag. Trotzdem steigt in Japan die Popularität des christlichen Weihnachtsfestes stetig an. Besonders unter den jungen Japanern ist es sehr beliebt. Die Idee, sich an Weihnachten zu beschenken, kommt der japanischen Lebensweise entgegen. In Japan legt man Wert auf höfliche Gesten, und das Beschenken wird deshalb gerne und häufig zelebriert.

Im Jahre 1549 hat mit dem Jesuitenpater Franziskus Xaverius der erste christliche Missionar das Land betreten. Mit ihm kam auch das Weihnachtsfest auf das Inselreich der Japaner. Aus dem Jahr 1565 wird von einem aufwendig gefeierten Fest berichtet. Kirche, Straßen und Häuser hätte man mit den Zweigen von Nadelbäumen geschmückt. Eine Sitte, die sich in Japan durchgesetzt hat. Musik mit Harmonium und Violine habe das Fest umrahmt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden japanische Weihnachtsbräuche zunehmend amerikanisiert. Für die Jugend spielt sich das Fest Kurisumasu, wie das Weihnachtsfest auf Japanisch genannt wird, heute vor allem in Restaurants und Diskotheken ab.

Santa Claus bringt am Morgen des 25. Dezembers die Geschenke. Aber schon einige Wochen vor Weihnachten erklingen die Weihnachtslieder, vornehmlich „Silent Night“, in allen Kaufhäusern und man sieht schon die ersten Dekorationen. Bis Weihnachten wird es immer lauter und schriller, und die Japaner verfallen immer mehr dem weihnachtlichen Konsumrausch.

Viele Japaner treffen sich zu Christmas-Parties oder zum gemeinsamen Essen im Restaurant. Sie zünden Knallfrösche an, tragen Faschingshütchen, werfen Luftschlangen. Manche Japaner sind ganz verrückt nach weihnachtlicher Illumination. In der Adventszeit wird deshalb nicht selten das ganze Haus mit Lichterketten geschmückt. Manche haben sogar ihre meterhohe TV-Antenne als leuchtenden Christbaum dekoriert. Es werden auch Weihnachtskuchen gebacken. Sie bestehen aus Biskuit-Teig und werden mit einer Glasur überzogen, die nach Buttercreme schmeckt. Darauf kommen Blumenverzierungen und ein Zuckerguß-Weihnachtsbaum.

Kurisumasu ist sehr stark amerikanisch geprägt. Der Weihnachtskuchen heißt Christmas-Cake. Überall wird mit Kunstschnee dekoriert, selbst im sonnigen Okinawa. Der Santa-Claus-Kult mit dem allgegenwärtigen „Jingle Bells“ ist absolut dominant.

Weihnachtsbräuche weltweit – Iran

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Im Iran wird das Norouz-Fest gefeiert, das zumindest für die Kinder eine ähnliche Bedeutung hat wie in anderen Ländern Weihnachten. Es findet im beginnenden Frühling statt und dauert insgesamt 13 Tage. Seinen Höhepunkt erreicht es zu Frühlingsanfang am 20./21. März. Norouz symbolisiert den Triumph des Guten und den Sieg über die dunklen dämonischen Kräfte, die man durch den vergangenen Winter verkörpert sieht. Damit erinnert Norouz an Bräuche, wie sie in germanisch geprägten Ländern zu Ostern begangen werden (Winteraustreibung, Osterfeuer usw.)

Norouz ist das iranische Neujahrsfest und bedeutet wörtlich aus Farsi (persisch) übersetzt „neuer Tag“. Es ist das größte nichtreligiöse iranische Fest. Seine Wurzeln hat es in der Zeit der indogermanischen Achaimenidenherrschaft (559-330 v.Chr.). Es wird als Frühlingsfest nicht nur im Iran, sondern auch in den umliegenden Staaten und den Zentralasiatischen Republiken begangen. Das Fest hat sich in der Erinnerung der dort lebenden Völker über Jahrtausende erhalten.

Die indogermanischen Iraner kamen um 1.100 v. Chr. aus den Tiefländern Turans, einer Ebene, die sich am unteren Lauf des Flusses Amudar‘ya ausbreitet, im heutigen Gebiet von Usbekistan/Turkmenistan. Von hier aus drangen sie im Verlauf der Geschichte bis nach Indien vor. Sie bezeichneten sich als Arier( arya = Edle). So wird erklärlich, daß ihre Bräuche denen ähneln,die auch in anderen indogermanischen Regionen üblich sind. (Siehe EM 07-03 DIE PERSER).

In der Vorbereitungsphase des Norouz-Festes werden verstorbene Verwandte auf den Friedhöfen besucht. Man kleidet sich neu ein. Ein Tisch wird für den Brauch „Haft Sin“ geschmückt. Wörtlich übersetzt bedeutet Haft Sin die „sieben S“. Dabei werden sieben verschiedene Samen zum Keimen gebracht, von denen jeder eine besondere Symbolkraft besitzt. Dem Fest geht außerdem ein gründlicher Hausputz voraus. Auf dem Höhepunkt des Norouz-Festes tauscht man Geschenke aus und gratuliert sich zum Neuen Jahr. In den Städten zieht eine vollständig in grün gekleidete Figurnamens Ammu Norouz („Onkel Norouz“) von Haus zu Haus und beschenkt die Kinder. Auf den Straßen werden kleine Feuer entzündet, über die Jung und Alt hinüberspringen. Dabei sprechen sie zum Feuer gewandt die Worte: „MeineBlässe“ – das heißt alles, was an mir negativ ist und schadet – „möge dir gehören, deine Röte“ – alles, was das Feuer und das Licht an Gutem hervorbringt – „soll mir gehören“. Für die Iraner ist dieser Tag wie Weihnachten und Silvester auf einmal. Er wird mit iranischen Spezialitäten auch kulinarisch ganz besonders gefeiert.

Weihnachtsbräuche weltweit – Spanien

Spanish christmasIn Spanien begeht man die Adventszeit sehr ruhig. Nikolaus, Weihnachtsbaum, Adventskalender und -kränze – all diese Dinge spielen keine große Rolle, auch wenn vor allem in großen Städten der Einfluß anglo-amerikanischer Weihnachtsbräuche in den letzten Jahren auf dem Vormarsch ist. Meist wird jedoch noch ganz traditionell gefeiert. Im Mittelpunkt des familiären Weihnachtsfests steht die eigene, manchmal sogar selbstgebastelte Krippe (Belvén). Die Familie versammelt sich um sie herum und singt traditionelle spanische Weihnachtslieder.

Am Heiligen Abend (Nochebuena) trifft sich die Familie zu einem großen Festessen, zu dem traditionell Truthahn aufgetragen wird. Höhepunkt ist die Misa del Gallo, die Mitternachtsmesse, die um 24 Uhr beginnt. In den ländlichen Regionen und kleinen Städten versammeln sich die Menschen anschließend auf den Marktplätzen und singen gemeinsam Weihnachtslieder. Dabei werden Feuer entzündet, und man tanzt bis in den frühen Morgen hinein auf den Plätzen.

Die Kinder erhalten an diesem Weihnachtsabend ihre Geschenke. Bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts war das noch anders. Die Gaben wurden von den Reyes Mages, den Heiligen Drei Königen gebracht, die in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar mit ihren Kamelen angeritten kamen. Dieser Brauch besteht auch weiterhin, aber die Hauptbescherung ist, in Angleichung an die Gepflogenheiten in den meisten anderen Ländern Westeuropas, nun am Heiligen Abend.

Zu den Weihnachtsbräuchen in Spanien gehört auch das Erscheinen der Gestalt des alten Köhlers (Olentzero), der aus den Bergen ins Dorf kommt. Er wird von den Einwohnern auf den Schultern durch die Straßen getragen. Ebenfalls üblich sind Weihnachtsspiele, bei denen zum Beispiel der von König Herodes angeordnete Kindermord aufgeführt wird.

In der Zeit vom 30. Dezember bis zum 1. Januar wird die Jahreswende gefeiert, die Fiesta de la Coretta. Dazu werden Kiefern gefällt und in die Ortschaften getragen, festlich geschmückt und anschließend gesegnet.

Den Abschluß der Weihnachtszeit bildet der Dreikönigstag (Díade los Reyes). Nach ihrer weiten Reise aus dem Morgenland halten die Majestäten Kaspar, Melchior und Balthasar bereits am 5. Januar Einzug in die spanischen Dörfer und Stadtteile, ein Fest, das mit einem großen Umzug und zahlreichen biblischen Aufführungen gefeiert wird. Für die Kleinen gibt es Süßigkeiten aus den Händen der Könige.

Am Abend des 5. Januars stellen die Kinder vor dem Schlafengehen ihre blankgeputzten Stiefel oder Schuhe vor die Zimmertür. Außerdem werden auch Stroh und Wasser für die Kamele und die beliebten Turrones (Weihnachtsgebäckaus Mandelteig) zur Stärkung der Weisen nach der langen Reise bereitgestellt. Der nächste Morgen bringt braven Kindern die Geschenke, böse Kinder bekommen Kohle (gefärbter Zucker). Zum Fest der Heiligen Drei Könige versammelt sich die Familie wieder zu einem großen Festessen. Als Nachtisch wird „Roscón de Reyes“ gegessen, ein Germteigkranz mit kandierten Früchten, der eine kleine eingebackene Überraschung in Form eines der Könige enthält. Wer sie findet, ist der Glückspilz der Familie.